Einleitung
Die Zeit, in welcher die Handlung dieses Romanes spielt, ist das fünfzehnte Jahrhundert, wo das Lehensystem, welches der Nerv und die Kraft der Volksvertheidigung gewesen, und der Geist der Ritterlichkeit, durch den, wie durch eine lebendige Seele, das System belebt war, durch die gewaltigen Charaktere in Verfall zu gerathen begann, welche ihr ganzes Wohl in die Erreichung der persönlichen Zwecke setzten, denen sie ihre ausschließliche Aufmerksamkeit gewidmet hatten. Der nämliche Egoismus hatte sich allerdings schon in weit frühern Zeiten gezeigt; aber jetzt ward er zuerst als offenbares Princip der Handlungen anerkannt. Der Geist der Ritterlichkeit hatte das Vortreffliche, daß seine Lehren, wie überspannt und phantastisch uns auch viele derselben erscheinen mögen, sämmtlich auf Edelmuth und Selbstverläugnung gegründet waren; und wäre die Erde dieser beraubt, so dürfte das Dasein der Tugend unter den Menschen schwer zu begreifen sein. Unter denjenigen, die die Grundsätze der Selbstverläugnung, in denen der junge Ritter unterwiesen, und nach denen er so sorgfältig herangebildet ward, zuerst fallen ließen und verspotteten, war Ludwig XI. von Frankreich die Hauptperson. Der Charakter dieses Regenten war so durchaus selbstsüchtig, so weit entfernt, irgend eine Absicht zu hegen, die sich nicht auf seinen Ehrgeiz, seine Habsucht und selbstische Lüsternheit bezog, daß er fast der