Der Durchbruch
Der Durchbruch kam um vier Uhr morgens, wie es bei Durchbrüchen meistens der Fall war — nicht in einem triumphalen Moment der Klarheit, sondern als leises, fast beiläufiges Klicken, als eine Gleichung, die seit Monaten nicht aufgegangen war, plötzlich funktionierte. Dr. Lena Hartmann starrte auf die Zahlen, die über ihren Bildschirm liefen, und ihr erster Gedanke war nicht Euphorie, sondern Furcht.
Das Gerät — sie nannte es den Spiegel, weil es technisch gesehen das Bewusstsein des Benutzers reflektierte und in eine andere Version der Realität projizierte — war kleiner, als die Theorie es erfordert hätte. Es passte auf einen Labortisch und sah aus wie eine Mischung aus Quantencomputer und Kopfhörer, unscheinbar, fast enttäuschend in seiner Einfachheit. Die Komplexität lag nicht in der Hardware, sondern in der Software, in den Algorithmen, die Lena in eintausenddreihundertzweiundsechzig schlaflosen Nächten geschrieben hatte.
Die ethischen Implikationen waren immens, und Lena kannte sie alle, hatte Aufsätze darüber geschrieben, hatte in Kommissionen gesessen und Richtlinien entworfen. Und dennoch, als sie in jener Nacht allein im Labor stand und der Spiegel auf dem Tisch summte, wusste sie, dass sie ihn ausprobieren würde. Nicht aus Neugier, nicht aus Ehrgeiz — sondern aus einem Grund, der tiefer lag als Wissenschaft: Sie wollte wissen, ob es ein Universum gab, in dem sie