Am Freiburger Bahnhof
Seitdem der Ausstand im Seekreis eine Wahrheit, war der Eisenbahnhof zu Freiburg Tag für Tag ein Sammelplatz der Neugierigen aller Stände und aller Parteien geworden. Tag für Tag drängten sich dort Beamte und Bürger, Meister und Gesellen, Herren und Damen, Liberale, Radikale und Konservative, um die Neuigkeiten, die das Dampfroß von oben und unten aus dem Lande brachte, alsobald abzufassen, und je nach ihren Ansichten, Wünschen und Hoffnungen zu verarbeiten. Am Siege zweifelte keine Partei, an eine Niederlage wollte keine glauben, und doch hatten seit langen langen Jahren die Herzen sammt und sonders zu Freiburg nicht so heftig, nicht so ängstlich-geklopft. An Futter für ihre Neugier fehlte es allerdings den Sehnsüchtigen und Fürchtenden nicht. Jeder Tag, jede Stunde brachte Zufuhr verschiedener Art und Geltung. Die ersten Nachrichten von dem, was sich in Konstanz begeben sollte, waren überraschend schnell über'n Wald zur Stadt gekommen, und die Entwicklung versprach, sich flugs und nachhaltig – so oder anders – zu machen. Am 14. April war schon die Ansage des Heckersturms verbreitet. Um eben diese Zeit hatten die Väter des Gemeinwesens sich berathen, was wohl zu thun, wenn der besagte Landsturm und Freiheitszug siegreich zur Dreisam niedersteigen würde, und – die Väter hatten die Neutralität der Stadt proklamirt, und einem jeden Stadtangehörigen auf sein Gewissen anheim