Purzelchens sechzehnter Geburtstag
Jawohl, Purzelchen hatte Geburtstag. Den sechzehnten, wie die Überschrift zeigt. Das heißt: eigentlich den siebzehnten, wenn man den Tag der Geburt, den wirklichen, mitrechnet. Aber das tut man gewöhnlich nicht. Und darum sagen wir besser: den sechzehnten. Purzelchen war ein süßer, kleiner Käfer. Das behaupteten alle. Etwas zu pummlig zwar. Die Beinchen zu kurz und um die Waden herum zu sehr in die Breite gegangen, aber die Fesseln, Gott sei Dank, recht schlank und von Gudruns langen Klavierfingern glatt zu umspannen. Und der Busen, wenn auch im geheimen ein Stolz und vor dem Schlafengehen immer von neuem bewundert, im Sinne der heutigen Vorschrift ein wenig zu üppig und nicht leicht zu verstecken. »Aber das wird sich verlieren,« sagte Mama so sicher, als ob der ihrige, der des Guten wirklich zuviel tat, sich jemals verloren hätte. Der Hals geschwungen wie die alabasterne Vase, die auf dem Spiegeltisch stand und Herbert oftmals als Aschbecher diente, und vorne am Kehlkopf mit einer sanften Schwellung versehen, in der kleine, schmachtende Gluckstöne ihre Entstehung erlebten. Das Gesicht freilich! Konnte man so etwas überhaupt Gesicht nennen? Gudrun, ja die hatte ein Gesicht. Darauf mußte man schon Angesicht sagen. Feingegossene Nase, lange, gewölbte Wimpern, himmlisch leuchtende Augen von jenem schimmernden Goldbraun, aus dem die Leidenschaften nur so herausspritzen usw. usw.