Missetat
Auf seinem blassen Gesichtchen waren einige ockergelbe Sommersprossen verstreut. Die braunen Simpelfransen bedeckten die halbe Stirn, und die Augen darunter waren klein und dunkel. Einen stumpfen Spielzeugspaten in der Hand, beugte er sich voll kindlicher Ernsthaftigkeit in einer Gartenecke am Fuße eines Bratbirnenbaumes nieder und grub in den Boden ein Loch. Die Äste, schon kahl, ragten in einen windzerrissenen Novemberhimmel und kehrten dicke Wolken zusammen, während auf der Erde welke Blätter lagen, deren leuchtendes Gelb von der Feuchtigkeit durch große schwarze Flecken verwüstet wurde. Sie rollten sich auf zu schmalen, länglichen Gebilden, wurden glitschig und glichen kleinen gesprenkelten Feuersalamandern. Etwas vom Baum entfernt, in der Zaunecke, war ein aufgehäufter Berg davon, und auch im angrenzenden Garten waren sie in ganzen Wolken über den Rasen geweht. Ein plötzlicher Regenschauer, den der Wind herbeitrieb, begann den Eifer des kleinen Gräbers zu stören, ein Gefühl von Unbehagen nahm von ihm Besitz und zerstreute ihm alle Freude zu weiterem Tun. Er richtete sich auf und merkte, wie seine Kleider in lästiger Weise vom Schweiß an der Haut klebten. Und das unerträgliche Gefühl wuchs, als er auch noch von außen her von Regentropfen durchnäßt ward; seine Begeisterung schwand völlig dahin. Leonhards Kopf war noch von der Arbeit erhitzt; doch über den Rücken rann ihm