Chapter

1. Kapitel. Geographiestunde

»Klinglinglingling« machte die Schulglocke. Da war die Frühstückspause zu Ende. Flinke Beine hielten mitten im Laufen auf dem Schulhof inne. Kleine Schreihälse dämpften plötzlich ihre hellen Stimmen. Ganz geschwind noch einmal vom Frühstücksbrot abgebissen, dann verschwanden die Brote in Blechbüchsen und Ledertäschchen. »Zu zweien antreten«, rief die Lehrerin, Fräulein Giesicke, die an der Treppe heute die Aufsicht führte. Ja, Fräulein Giesicke hatte gut rufen. Immer wieder erwischte sie ein dreiblätteriges, ja sogar vierblätteriges Freundschaftskleeblatt, das sich nicht einmal auf der Treppe trennen mochte. Besonders die Mädel hingen wie die Kletten zusammen, während es den Jungen gleichgültiger war, neben wem sie gingen. »Die nächsten schreibe ich unter Tadel.« Fräulein Giesicke war mit Recht ungehalten. »Suse Winter, was habe ich eben gesagt? Kannst du denn nicht hören, Kind?« Die Lehrerin hielt ein kleines, etwa neunjähriges Mädchen, das, zu vieren eingehakt, gerade an ihr vorbeischlüpfen wollte, fest. Die Braunaugen der Kleinen sahen erschreckt zu der erzürnten Lehrerin auf. Nein, die Suse, Traumsuschen, wie sie oft genannt wurde, hatte mal wieder nichts gesehen und gehört. »Ja, ich muß dich jetzt unter Tadel ins Klassenbuch als ungehorsam schreiben, Suse Winter.« In den braunen Augen des kleinen Mädchens begann es zu flimmern. Tränen stiegen heiß empor, und da

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