Erstes Buch
Luxemburgpalast, 9. März. Eben überbrachte man mir die Nachricht von dem Tod des Kardinals. Heute früh um halb neun Uhr ist er in Vincennes gestorben. Fast wäre er kurz vor seinem Tode bei lebendigem Leibe verbrannt. Er lag in den Gemächern der Königin bereits krank darnieder, als vor acht Tagen in jenem Flügel des Louvre, nämlich in der Galerie, die sich nach dem Flusse hinzieht, der große Brand ausbrach, der den ganzen königlichen Palast zu zerstören drohte. In einer Sänfte brachte man den Todkranken nach Vincennes. Seine letzten Augenblicke, erzählt man mir, seien sehr fromm und erbaulich gewesen; sein Leben war's weniger. Frankreich wird ihm nicht nachweinen – höchstens die Verfasser von Mazarinaden und anderen Schandliedern auf ihn, die nun außer Brot gesetzt sind. Frankreich wird aufatmen. Ob mit gutem Grund? Wenn Fouquet sein Nachfolger wird, dann kommt das Land vom Regen in die Traufe. Auch der junge König wird aufatmen. Er schuldet dem Kardinal viel, aber der Mensch ist am undankbarsten gegen die, denen er am meisten verdankt. Und der Kardinal hat ihn gehörig unter dem Daumen gehalten. Es würde mich sehr wundern, wenn er nicht versuchen sollte, nun einmal selber den Herrn zu spielen. Mit dreizehn Jahren hat man ihn für mündig erklärt, er ist unterdessen dreiundzwanzig geworden; vielleicht findet er, daß es an der Zeit ist, mit seiner Mündigkeit Ernst zu machen. Gott