Prinz oder Schlossergeselle
„So dehnt sich ein Tag wie der andere hin,“ seufzte Prinz Louis Ferdinand, „und so schleicht eine Woche nach der anderen hin in eben demselben Jammer und eben derselben Langeweile! Ich wollte, König Friedrich Wilhelm der Dritte, mein vielgeliebter König und Vetter, hätte mir keinen Pardon gegeben und wäre nicht so gnädig gewesen gegen mich! Ich wollte, er hätte mich auf die Festung geschickt und ich säße hier, weil ich ein Revolutionär und Empörer bin! Dann wüßt’ ich doch, warum ich litte und daß es für das Vaterland ist, daß ich mich so grenzenlos langweile. Ich hatte es doch wahrhaftig verdient, daß ich so behandelt wurde! Hatte mich hinreißen lassen von meinem Schmerz zu tollen Wuthausbrüchen damals im vorigen Jahre, als der unglückselige Friede bekannt ward.[1] Bin aber ohne Strafe davon gekommen und bin jetzt General der Infanterie, d. h. bin so hoch gestiegen, wie ein unglückseliger, apanagirter Prinz dritter Linie steigen kann, und habe nun das ganze Leben vor mir wie eine Ebene, in welcher kein einziger Hügel ist, den ich mir erklimmen kann. Es ist ein erbärmliches Leben!“ Er sprang auf und rannte in wilden Sätzen im Zimmer umher so lange, bis er erschöpft und athemlos auf einen Divan niedersank. „Dieses abscheuliche Garnisonleben! Weiß es Gott, ich wollte, ich wäre ein Handwerksbursch und dürfte auf der Landstraße umherziehen mit dem Ränzel auf dem Rücken. Warum hat