Der-Waerter-Der-Langen-Wartezeit
Die Tür öffnete sich auf einen Hang in der Dämmerung.
Nicht die Dämmerung einer Stadt, von Straßenlaternen orange verschmiert, sondern ein reines, uraltes Zwielicht, der Himmel von der Farbe eines verheilenden blauen Flecks. Unter ihr fiel ein Tal in Terrassen aus silbernem Gras ab, und in seiner Mitte stand ein Haus — zu groß, um ein Haus zu sein, zu bewohnt, um ein Palast zu sein — dessen Fenster eines nach dem anderen aufleuchteten, als ginge jemand Zimmer für Zimmer hindurch und drehte ihr zuliebe die Lampen höher. Der Waldgeruch war nun überall. Renata stand in ihrer Krankenhauskleidung, die Schlüssel noch am Gürtel, spürte das nasse Gras durch ihre Arbeitsschuhe dringen und wandte sich nicht ab.
Eine Gestalt stieg den Pfad zu ihr herauf. Groß, in Grau gehüllt, mit einem Gesicht, das aus demselben geduldigen Holz geschnitzt schien wie die Tür. Der Wärter, so würde sie ihn nennen lernen, obwohl er nie einen Namen nannte, nur den Titel, als hätte sich der Name vom Nichtgebrauch abgewetzt.
"Renata Dóczi", sagte er, und ihr eigener Name in seinem Mund klang wie das Ende einer langen Rechnung, die endlich aufging. "Geboren unter dem Herbstkometen. Bezeichnet, genährt, behütet." Er sah sie an, wie ihre Mutter früher auf die Uhr gesehen hatte, wenn sie zu spät kam. "Wir haben die Tür für dich gemacht, als du neun Jahre alt warst. Wir dachten nicht, dass es vierundvierzig Jahre