Die-Kammer-Im-Vierten-Stock
Um zwei Uhr morgens wurde es still im vierten Stock, und so mochte Renata es. Die Monitore am Schwesternstützpunkt blinkten ihre kleinen grünen Herzen in die Dunkelheit, die Bohnermaschine summte unter ihren Händen, und für ein paar Stunden gehörte das Krankenhaus ihr und den Menschen, die zu krank waren, um zu schlafen. Elf Jahre lang hatte sie diese Flure gewischt. Sie wusste, welche Fliesen quietschten, welcher Heizkörper tickte, welcher Patient in Zimmer 412 sie jede Nacht fragen würde, was das Wetter mache.
Die Abstellkammer am Ende des Ostflügels war die eine Konstante. Bleichmittel, Papierhandtücher, die Ersatzmoppköpfe in ihren Plastikhüllen, das Regal mit dem Reiniger, der nach falschen Zitronen roch. Vielleicht viertausendmal hatte sie diese Tür geöffnet. Den Lichtschalter hätte sie blind gefunden.
Darum wusste sie, so wie man einen falschen Ton in einem vertrauten Lied erkennt, dass der Kammer eine zweite Tür gewachsen war.
Sie stand in der hinteren Wand, wo die Regale hätten sein müssen — schmal, aus dunklem Holz, mit einem Griff aus angelaufenem Messing, in der Mitte glatt gegriffen, als hätten ihn sehr viele Hände gedreht. Der Zitronengeruch war fort. An seiner Stelle kam etwas Grünes, Kühles, der Geruch eines Waldes nach dem Regen, von Erde, die niemals gepflastert worden war. Unter der Tür sickerte ein dünner goldener Lichtstreifen hervor, der nicht flackerte