Chapter

Die gerettete Ehe

Die Privatleidenschaften der Mächtigen stehen, wenn auch noch so versteckt, weit öfter in ursächlichen Zusammenhängen mit den großen Welterschütterungen, als es naive Gemüter ahnen oder die Philosophen der Geschichte und Politik zugeben möchten, die es ihrer würdiger finden, über das Menschliche und Allzumenschliche vornehm hinwegzusehen und die Geister dafür in die furchtbare Zwangsjacke ihrer abstrakten Gesetze und Pragmatiken einzuengen. Was nun aber diese etwas hochtrabende Sentenz mit der folgenden, fast drolligen Geschichte zu tun hat, das mag der Leser entscheiden. In dem Hause Nr. 21 der St. Ludwigs-Gasse zu Versailles meldete sich eines Tages ein Herr von Lesbrousses und ließ die Hausherrin, die Dame Duhausset, erste Kammerfrau und Vertraute der Marquise von Pompadour, um eine geheime Unterredung bitten. Diese besann sich, den Namen schon gehört zu haben. Es mußte wohl jener reiche Steuerpächter sein, der einigemal in Verbindung mit seiner Frau genannt wurde, die als auffallende Schönheit von etwas extravagantem Wesen ein wenig ins Gerede gekommen war. Und also legte die Kammerdame das Buch beiseite, in dem sie gelesen hatte – sie war eine große Leserin –, ordnete vor dem Spiegel ihre spärlichen Löckchen über den Schläfen, deren natürliche Ergrautheit von reichlichem Puder verdeckt war, und nachdem sie sich in ihren Armsessel zurückgelehnt hatte, ließ sie den Wartenden

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