Am Hofe
August Ferdinand blickte frappiert auf seine kleine Frau, welche, ihrem ureigensten Wesen so vollkommen zuwider, plötzlich die Etikette der Tischordnung über den Haufen warf. Da sie seinem erstaunten Blick auswich und Fürst Reusseck, welcher sonst den Platz zur Linken der Prinzessin einnahm, mit langem Gesicht zur Seite trat, wandte sich Seine Königliche Hoheit zu demselben und sagte scherzend: »Ehre wem Ehre gebührt, lieber Reusseck! Heute ist nicht Mars, sondern Apollo der Oberste im Rat der Götter, und ›was die Frau will, das will Gott!‹ heißt es in Frankreich‹ Eh bien, lassen wir heute einmal die edle Kunst Ceremonienmeisterin an dieser Tafel sein!« Und der Prinz wies dem Regimentskommandeur in liebenswürdigster Weise den Sessel zur Rechten Anna Reginas an und placierte sich selber vis-à-vis zwischen Frau von Drach und Gräfin Dynar. Es herrschte ein sehr ungebundener und fast übermütiger Ton, namentlich am Ende der kostbar dekorierten Tafel, woselbst Frau von Hofstraten, Gräfin Ettisbach und Tarenberg mit den jüngsten Leutnants ihre »fidele Ecke« etabliert hatten. »Jongens, man nich so vill gekippt! Ihr hätt' bereits rote Dötze wie die Ziungockel!!« hörte man die mütterliche Warnung aus holländischer Kehle durch eine plötzliche Stille ertönen, und dazwischen amüsierte sich Gräfin Tarenberg mit ihrem hellen Organ über »den verlorenen Sohn« Weyer, welcher ihr in keckster