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Plaudereien eines alten Freundespaars

Seit Jahren war der Medizinalrath gewohnt, an einem bestimmten Abend in der Woche seine Freundin, die Professorin, zu besuchen, auf ein Plauderstündchen, aus dem gewöhnlich zwei wurden. Beide waren schon alt, er ein großer, etwas hagerer Mann an der Schwelle der Siebzig, grauhaarig und mit einem gütigen, geistvollen Gesicht, die Professorin nur sechs Jahre jünger und gleich ihm seit Jahren verwittwet. Beide hatten ihre verheiratheten Kinder wegziehen sehen und die meisten alten Freunde durch den Tod verloren. In der Stadt munkelte man, die kleine Frau mit dem silberweißen Haar, die bis in ihr hohes Alter noch sehr anziehend war und wegen ihres munteren Geistes und ihrer Herzensgüte allgemein verehrt wurde, habe es ihrem Hausarzt vor Zeiten sehr angethan, so daß es sie nach dem frühen Tode ihres Gatten, der Professor der Pandekten gewesen, nur ein Wort gekostet hätte, Frau Medizinalräthin zu werden, da auch der Arzt vereinsamt war. Sie aber setzten trotzdem ihr freundschaftliches Verhältniß unbefangen in alter Weise fort, ohne daß auch die bösesten Zungen sie deshalb zu verdächtigen wagten. Wenn er am Samstag Abend bei ihr erschien, stand die Theemaschine schon bereit, daneben auf einem kleineren Tischchen war das Schachbrett aufgestellt, das aber oft nicht berührt wurde, wenn ein wichtigeres Thema zwischen ihnen zur Sprache gekommen war. Zuweilen saßen sie, wie alte Freunde

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