Chapter

I. Teil

Neulich einmal waren wir in einer Gesellschaft mit dem Advokaten beisammen, der den Ehescheidungsprozeß Josef Balthasar Stöger's geführt hatte. Natürlich kam das Gespräch gleich auf diesen Fall. Denn in der Welt wurde gerade von nichts anderem geredet – das heißt, in einem jener vielen bürgerlichen Kreise, von denen jeder annimmt, daß er »die Welt« sei. Die Welt also war sehr beschäftigt mit Josef Balthasar Stöger's ehelichen Angelegenheiten. Er selbst hatte sich der Teilnahme wie der Neugier, allen bedauernden Händedrücken und indiskreten Blicken so bald als möglich entzogen und eine Reise um die Erde angetreten. Man wußte ja längst, daß er von seiner Frau betrogen wurde; vom ersten Tag seiner Ehe an hatte niemand etwas Anderes erwartet. Es war alles gekommen, wie es kommen mußte, mit unfehlbarer Sicherheit und Notwendigkeit. Etwas von einem Naturgesetz lag darin, beinahe etwas Beruhigendes und Befriedigendes. Josef Balthasar Stöger war dazu geboren, betrogen zu werden. Jedermann hatte auch vorausgesetzt, daß er sich mit dieser Thatsache bei Zeiten abgefunden, sich ohne Widerstreben in das Unvermeidliche ergeben habe. Deshalb war an der ganzen Sache nur eines unverständlich: warum er versuchte, sich das Leben zu nehmen, als er an der Untreue seiner Frau nicht mehr zweifeln konnte. Er schoß sich eine Kugel in die Brust, wie um dieses thörichte Herz zu strafen, das ihn so sehr

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