Über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen.1
Über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen.1 Schon mehrere Philosophen haben behauptet, daß der Körper gleichsam der Kerker des Geistes sei, daß er solchen allzusehr an das Irdische hefte und seinen sogenannten Flug zur Vollkommenheit hemme. Wiederum ist von manchem Philosophen mehr oder weniger bestimmt die Meinung gehegt worden, daß Wissenschaft und Tugend nicht sowohl Zweck als Mittel zur Glückseligkeit seien, daß sich alle Vollkommenheit des Menschen in der Verbesserung seines Körpers versammle. Mich däucht, es ist dies von beiden Theilen gleich einseitig gesagt. Letzteres System wird beinahe völlig aus unseren Moralen und Philosophieen verwiesen sein und ist, scheint es mir, nicht selten mit allzu fanatischem Eifer verworfen worden, – es ist gewiß der Wahrheit nichts so gefährlich, als wenn einseitige Meinungen einseitige Widerleger finden; – – Das erstere ist wohl im Ganzen am mehrsten geduldet worden, indem es am fähigsten ist, das Herz zur Tugend zu erwärmen, und seinen Werth an wahrhaftig großen Seelen schon gerechtfertiget hat. Wer bewundert nicht den Starksinn eines Cato, die hohe Tugend eines Brutus und Aurels, den Gleichmuth eines Epiktets und Seneca? Aber dessen ungeachtet ist es doch nichts mehr als eine schöne Verirrung des Verstandes, ein wirkliches Extremum, das den einen Theil des Menschen allzu enthusiastisch herabwürdigt