Die Weihnacht
Deutsch von Ludwig Rubiner und Frieda Ichak Der letzte Tag vor dem Weihnachtsfeste war verstrichen. Klar brach die Winternacht an, die Steine schauten hervor, der Mond stieg majestätisch am Himmel empor, um allen guten Leuten und der ganzen Welt zu leuchten, auf daß allen fröhlich ums Herz sei, wenn nach dem Weihnachtsbrauch unter den Fenstern Christi Lob und Preis gesungen würde.Dieses Singen unter den Fenstern am Weihnachtsabend nennt man bei uns »Koljadowatj«, und die Lieder heißen »Koljadki«. Dem, der da singt, wirft der Hausherr oder die Hausfrau, oder wer sonst zu Hause bleibt, stets eine Wurst, ein Brot, einen Kupfergroschen oder was er gerade besitzt, in den Sack. Man sagt, es habe einmal einen Narren namens »Koljada« gegeben, den man für einen Gott gehalten habe, und der Name Koljadki für die Lieder rührte daher. Wer will das wissen. Es ist nicht Sache von uns einfachen Leuten, uns hierüber auszusprechen. Voriges Jahr wollte der Vater Ossip es verbieten, in den einzelnen Weilern die »Koljadki« zu singen, da, wie er behauptete, dies ein Tribut sei, den das Volk dem Satan bringe. Allein, um die Wahrheit zu sagen, in den »Koljadki« findet sich auch nicht ein Wort über den »Koljada« Man singt oft von der Geburt Christi und wünscht zum Schluß dem Hausherrn, der Hausfrau, den Kindern und dem ganzen Hause eine gute Gesundheit. Der Frost war noch schneidender als am Morgen;