Chapter

Der Mantel

In einer russischen Ministerialabtheilung — — — — Aber es ist wohl besser, ich sage nicht, in welcher Ministerialabtheilung es war. Es giebt in Rußland kein empfindlicheres Menschengeschlecht, als das der Ministerial-, Regimentsund Kanzleibeamten, — kurz alles dessen, was man unter der Bezeichnung „Beamte“ zusammenfaßt. Jeder von ihnen glaubt, wenn er irgendwie gekränkt wird, die ganze Beamtenklasse sei in seiner Person beleidigt. Kürzlich soll ein Isprawnik — ich weiß nicht mehr, in welcher Stadt — einen Bericht verfaßt haben, der den Zweck hatte, zu beweisen, daß die Erlasse der Regierung nicht mehr befolgt würden, da man es sogar wage, den heiligen Titel Isprawnik in verächtlichem Sinne auszusprechen; und zum Beweise seiner Behauptungen legte er seinem Bericht einen ungeheuren Folianten bei, der eine Art Roman enthielt, in welchem auf jeder zehnten Seite ein Isprawnik vorkomme — stellenweise sogar in vollständig betrunkenem Zustande. Um daher von vornherein allen etwaigen Reclamationen einen Riegel vorzuschieben, will ich lieber die Ministerialabtheilung, in welcher sich der Schauplatz meiner Geschichte befindet, nicht mit unzweifelhafter Deutlichkeit angeben, und lieber sagen: „In einer gewissen Kanzlei.“ Also in einer gewissen Kanzlei war „ein gewisser Mann“ angestellt, ein Beamter, der, ich kann es nicht verhehlen, von ziemlich unscheinbarem Aeußeren war: er war von

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