Chapter

Widmung

Meinem lieben Bruder Richard Weitbrecht zugeeignet. Lieber Bruder! Dies Buch hat Dir manches Leiden bereitet; mir auch. Ich hab's geschrieben, wie eben ein Dichter so was schreibt: wahrlich nicht, um wieder einmal ein Buch zu machen, vielmehr nur, weil ich mir wieder etwas von meiner armen Seele herunterschreiben mußte. Ich bin trotz gediegenen Schwabenalters immer noch nicht auf der modernen Schriftstellerhöhe angelangt. Ich hab's noch nicht gelernt, zu schreiben, um eben zu schreiben, und das Dichten als ein Handwerk oder als eine Wissenschaft zu betreiben; auch mangelt mir die Zeit, mit dem Notizbuch in der Hand an allen Ecken herumzustehen, berufsmäßig zu beobachten, was da kreucht und fleucht, und das also Beobachtete »ohne Zuhilfenahme der Phantasie« gewissenhaft wiederzugeben, wie es Sam Wetherell verlangt und Max Leu pflichtgetreu übt – Du kennst ja die beiden Herrn! Unsereins armer Poet schlägt sich eben, so gut es gehen will, durch Mühsal und Sorge dieses Lebens, und wenn es ihm von Zeit zu Zeit einmal wieder gar zu bunt wird, so muß heraus, in Versen oder in Prosa, was in der Seele wurmt und gräbt; und das bringen wir nicht anders fertig, als indem wir die altmodische Freundin Phantasie zu Hilfe rufen, daß sie uns Zorn und Sehnsucht, Leid und Kummer und wohl auch ein bißchen Freude in Bilder und Gestalten verwandle. Das thut sie ehrlich und gern und wir sind manchmal

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