Pfingstküsse
Diese Geschichte sollte man nicht erzählen, denn sie hat nicht die geringste Moral. Aber da der liebe Gott Herrn Willibald Himmelmayer in die Welt gestellt zu haben schien, um sich ein lebendiges Exempel dafür zu schaffen, wie er sich ungefähr das österreichische Musikantenblut vorstellte, so dürfen auch wir ihn nicht verdammen und mögen ihn ruhig betrachten; natürlich nur objektiv und als Exemplar. Herr Willibald hatte schon seit ein paar Wintern Weib und Rind und war darüber vierzig Jahre alt geworden; die hatten sich wie eine Rinde langsam um ihn gelegt, ohne daß er auf den steifen Harnisch viel geachtet hatte, denn inwendig war er immer noch sechzehn. Am Morgen war ihm gratuliert worden; er hatte es gleich danach vergessen. Er hatte, nach dem Weihnachtsschlafrock, einen leichteren Sommerschlafrock zum Geschenk erhalten, denn es war der Sonntag zu Pfingsten. Er hatte die durchdringende Ironie des Ereignisses gar nicht bemerkt. Draußen war es lind und leuchtend blau, die Helle Welt stand zur Verfügung wie eine schöne Frau in ihrer allerschwächsten Stunde, und es war beruhigend für den Weltlauf, aber ein Wunder, daß nicht sämtliche Ehemänner ihren Frauen an diesem berauschenden Tage, an dem sich einst sogar die Jünger Christi aufs Schwadronieren verlegt hatten – durchbrannten. Herrn Willibald war es höchlich danach zumute, und er beschaute sich auf seine vierzig Jahre hin im