Vorwort
Tön'st du, o heilige Harf', im goldnen Schimmer des Abends Dort an der Wand schon wieder mit herzerschütterndem Wehlaut? Wer entlockt' ihn dir in der Stund' ersehneter Stille? Ach, mir fließet die Thräne herab an den Wangen! Erbebend Schau' ich nach dir, und horche dem leis'umsäuselnden Lüftchen: Ob mich nicht mit erbarmender Huld, aus den öden Gefilden Nächtlicher Gegenwart, auf die Pfade der schöneren Vorwelt Führ' ein himmelnentschwebender Freund, und die Trauer verscheuche, Die mir den Busen beklemmt? Wie im Hauch des brausenden Nordwinds, Der den herbstlichen Hain durchwüthete, früherer Winter Nah't, und sogleich, umhüllt von stöberndem Schnee, in den Fluren Rings das regsame Leben erstirbt: so haben die Menschen Auch, in der letzten unseligen Zeit, voreilend, gealtert. Zeit voll Graun's – du entflohst! Ein Schimmer der besseren Zukunft Hob uns die Brust; doch schnell, wie zuweilen am nächtlichen Himmel, Flammt, und fleugt, und entschwindet ein täuschendes Licht: so entschwand er Wieder. Zu lange, zu laut erhob gottlästernde Frechheit Ihren empörenden Ruf; zu oft wechselte Stolz und Vertrauen, Angst und Verzweiflung, bei Glück und Verlust, im Busen der Menschen; Wandte den Sinn von Gott nach dem Irdischen; pflanzt' in die Herzen Liebe zu schnödem Gewinn, und Empfindungen niedriger Selbstsucht So, daß ein Gottesmann, wie Abraham selber, der Vater Seines Volk's; wie Moses,