ERSTER AKT
ERSTER AUFTRITT. Im Wald. Melisande am Rand einer Quelle. — Golo tritt auf. GOLO Da verlor ich gar den Weg aus diesem Gehölz! Mein Gott, wohin mich des Wildes Spur gelockt. Und doch wähnt ich: getroffen hätt ich's auf den Tod; hier gewahr ich Spuren von Blut und auch hier kam's mir aus dem Gesicht, wobei ich gar selber den Weg verloren. Meine Hunde finden mich nicht mehr. — Wär ich doch erst wieder daheim. Wer weinet hier ... Ohe! Was seh ich dort am Quellenrand? Er hustet. Ein verlassenes Mägdelein weint am Quellenrand? Sie höret nicht auf mich, nicht unterscheid ich ihr Antlitz! Er kommt näher und berührt Melisande an der Schulter. Warum so verweint? Melisande erzittert, steht auf und will entfliehn. Seid ohne Furcht, Euer Bangen ist grundlos. Was ist Euch geschehen, allein, hier im Walde? MELISANDE Berühret mich nicht! Berühret mich nicht! GOLO Seid ohne Furcht ... denn ich krümme Euch kein Haar ... Oh! wie Ihr doch schön seid! MELISANDE Berühret mich nicht! Berühret mich nicht, sonst spring ich in den Quell! GOLO Ich rühr Euch ja nicht an ... seht her, angelehnt bleibe ich an den Baumstamm. Seid ohne Furcht. Hat jemand ein Leid Euch getan? MELISANDE Ach ja! ja! ja! Sie seufzt tief auf. GOLO Wer war es, der Euch so Übles tat? MELISANDE Alle! Alle! GOLO Was geschah Euch für Leid? MELISANDE Ich will es Euch nicht sagen! Ich kann es Euch nicht sagen! GOLD Nun, nun ... was