Erster Akt
(Abhang mit Laubholz bei Aases Hof. Ein Bach schäumt hernieder. Auf der andern Seite eine alte Mühle. Heißer Sommertag.) (Peer Gynt, ein kräftig gebauter Mensch von zwanzig Jahren, kommt den Steig herab. Aase, seine Mutter, klein und fein, folgt ihm zornig scheltend auf dem Fuße.) Aase. Peer, Du lügst! Peer Gynt(ohne sich aufzuhalten.) Nein, nein, ich lüg' nicht! Aase. Na, so schwör' drauf: Ist es wahr? Peer Gynt. Warum schwören? Aase. Pfui! Der früg' nicht, Dessen Schuld nicht klipp und klar! Peer Gynt(steht still.) Doch, 's ist wahr, – ich schwör' es Dir. Aase(vor ihm.) Und Du schämst Dich nicht vor mir? Bleibt man ganze Wochen aus, Läuft man, just wann Gras zu schlagen, Auf den Ferner, Renwild jagen, Kommt zerrissen dann nach Haus, Ohne Stutzen, ohne Bock, – Um zum Schluß am hellerlichten Mittag Mutter flugs ein Schock Jägerlügen vorzudichten? Also, wo hast Du 'n getroffen? Peer Gynt. Links vom Gendin. Aase(lacht spöttisch.) Hm! Aha! Peer Gynt. Kräftig blies der Wind von da; Und so stand der Weg mir offen, Mich durchs Holz hindurchzubirschen, Hinter dem er grub – Aase(wie vorher.) Ja, ja! Peer Gynt. Lautlos horchend, hör' ich seinen Huf im harten Firnschnee knirschen, Seh' vom einen Horn die Zacken, Wind' mich durch Geröll und Wacken Vorwärts, und, verdeckt von Steinen, Seh' ich einen Prachtbock, – einen, Wie man ihn seit Jahrer zehn, Sag' ich Dir, hier nicht gesehn! Aase.