Lukoran
Ein schöner, herrlicher Wind ist der Maëstral, Sommerwind, Mittagswind, blau blasend aus Nordwest. Er macht die Luft rein und die Herzen froh, er läßt die Wellen tanzen und die Segel fliegen. Selig schreiend gleiten die Möwen auf seiner luftigen Schwinge dahin. Er blättert in den Zweigen des Ölbaumes, so daß sie aussehen wie weißes Gefieder, er trägt den Duft der Oleanderblüten von der einen Ecke des Parks in die andere, er rauscht in der großen dunkelgrünen Krone der Föhre, die nahe der Mauer steht. Wenn einer bei Maëstral von Zara nach Lukoran hinübersegeln will, dann bläht die Brise sein Segel aufs günstigste, er braucht keine Geduld, selbst wenn er weiß, daß drüben in dem kühlen Haus seine Braut auf ihn wartet. Kaum wird das weiße Zara hinter ihm zurückgeblieben sein, so wird ihm schon die Insel deutlicher und farbiger entgegenrücken. Kaum wird der frische Wind ihm ein wenig um die Nase geblasen und der Salzstaub ihn genetzt haben, so wird er schon die Peilungen entdecken, die die Hälfte des Weges bezeichnen: rechts die Landspitze, die genau in den fernen kleinen Scoglio hineinstechen muß, und links die Kirche, die sich mit dem alten Wachtturm deckt. Und ist erst der halbe Weg gemacht, wie bald ist man dann am Ziel. Der kleine Hafen öffnet sich, das Haus liegt da, alle Läden der Ostfront gegen die Sonne geschlossen, und das Herz schlägt stürmisch vor seliger Ungeduld. –