Chapter

Erstes Kapitel - Ein Antrag

»Sagen Sie nicht glattweg ›nein‹, das ist alles, was ich erbitte. Ich bedaure schon, daß ich davon anfing, es ist reinste Vermessenheit, und ich weiß nur zu gut, daß ich nicht wert bin, Ihnen die Schuhriemen zu lösen. Haben Sie Mitleid mit dem armen Kerl, der den Mund nicht länger halten konnte. Weisen Sie mich nicht ganz ab, lassen Sie mir ein Fünkchen Hoffnung; daß Sie ›ja‹ sagen, verlange ich ja gar nicht.« »Sie verlangen nicht, daß ich ›ja‹ sage?« Diese Worte klangen in einem leisen spöttischen Lachen aus. Der junge Mann, der sich zu einem völlig unüberlegten Antrag hatte hinreißen lassen, hob nun zum erstenmal die Augen zu dem Antlitz des jungen Mädchens. Die Wangen erglühten unter seinem heißen Blick, die zarten, süßen Lippen zitterten leise, aber in den Tiefen der klaren braunen Augen lachte neckisch ein Schelm. Eine wilde, tolle Hoffnung erfaßte sein Herz. »Norma, Norma, ist es möglich? Willst du mich?« »Sie verlangen ja gar nicht, daß ich ›ja‹ sage,« noch leiser als vorher klangen diese Worte. Das war genug, er holte sich die Antwort von den frischen Lippen, die sich ihm willig boten. Ein Wonnegefühl von Liebe und Triumph durchrann seine Glieder. Er hatte gesiegt; das Mädchen, nach dem seine Seele verlangte, war sein. Die ganze Welt versank um diese zwei, die jetzt die höchste Seligkeit des irdischen Daseins kosteten, die überwältigende Seligkeit der ersten Liebe. »Ach

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