Erstes Kapitel
Eine kleine Studentenbude in Upsala. Ein trübes Morgenlicht fällt durch das einzige Fenster und scheint auf ein ungemachtes Schlafsofa und einen ganz mit Büchern und Papieren übersäten schmalen Schreibtisch. Die Lampe brennt; ihr Schein wird matter und matter vor der zunehmenden Tageshelle. Den Schlafrock eng um sich gezogen sitzt im Schaukelstuhl neben dem Schreibtisch ein junger Mann und liest eifrig. In seiner schmalen weißen Hand hält er ein Kollegheft; sein von einem kurzen, weichen Bart bedecktes Gesicht beugt sich über die beschriebenen Blätter. Während er liest, bewegen sich lautlos und hastig seine Lippen. Er sieht nicht, daß das Tageslicht draußen die Lampe längst unnötig macht, trotzdem die Sonne nicht durch das dichte Gewölk dringt. Es ist fast hell in der Stube, so hell es Mitte Januar überhaupt werden kann. Aber er sieht es nicht. Nachdem er eine Zeitlang gelesen hat, steht er auf und geht ein paar Schritte durchs Zimmer. Er dehnt die Brust, tut ein paar tiefe Atemzüge und trocknet sich mit dem Taschentuch den Schweiß ab, der seine Stirn bedeckt. Aber er sieht nicht, daß es draußen hell ist, sondern setzt sich still wieder an die Arbeit, indem er den Schaukelstuhl so nach der Lampe zu dreht, daß er beim Lesen gut sieht. Ein Beobachter hätte in seinem Gesicht vergeblich nach wirklichem Interesse gesucht. Es lag darin derselbe Ausdruck wie bei einem überanstrengten