Küchen-Mysterien
Die Gegensaetze der menschlichen Existenz treten bekanntlich nirgends so handgreiflich zu Tage, als in einer Weltstadt. Hier bruestet sich der wahnwitzigste Luxus neben dem entsetzlichsten Elend. Waehrend Tausende kein wichtigeres Problem kennen, als die Frage: "Wie werde ich heute meine Hundertfrancsnoten mit moeglichst viel Behagen und Genuss losschlagen?", erwachen andere Tausende mit dem niederdrueckenden Bewusstsein, nicht so viel in der Tasche zu haben, um eine warme Suppe oder einen Bissen Brod bezahlen zu koennen. Zwischen beiden Extremen liegt eine ununterbrochene Kette von Mittelgliedern, deren naehere Betrachtung eben so unterhaltend als lehrreich erscheint. Wenn der Leser diese Ansicht theilt, so begleitet er uns vielleicht auf einer kleinen Rundreise durch die zahlreichen Etablissements der franzoesischen Hauptstadt, in welchen die verschiedenen Klassen der Pariser Gesellschaft ihre Mahlzeiten einnehmen. Wir beginnen mit den Restaurants ersten Ranges, um schliesslich in Regionen anzulangen, von denen man sich nur durch eigene Anschauung einen Begriff zu bilden vermag. Die Redensart: "Sie leben schlechter, als die Hunde", hoert in diesen Tiefen auf, eine Hyperbel zu sein; und als unterste Stufe der Scala finden wir jenes blasse Gespenst, das uns angrinst, wie ein Hohn auf die Menschheit - den Hungertod. Die Staetten, an welchen die "Elite der Gastronomie" ihre