Kapitel 1
Amtsvorsteher Knud Hjarmer ging auf dem grünen großgeblümten Teppich hin und her, während er mit seinen weißen, wohlgeformten und gepflegten Händen das seidene Tuch um seinen Kragen legte und die Enden sorgfältig unter seinem blonden Vollbart kreuzte. »Es wird wohl nichts weiter als eine heftige Erkältung sein – nicht wahr?« sagte er, während er ängstlich zu seiner Frau hinübersah, die in dem grünen Plüschsessel zwischen dem Wohnstubentisch und Kamin saß, dessen Öffnung jetzt zur Sommerzeit von einem gestickten Ofenschirm mit chinesischen Ornamenten verdeckt war. »Kinder bekommen ja so leicht Halsschmerzen,« sagte Frau Helwig Hjarmer und sah mit ihren dunkelgrauen, etwas müden Augen von dem cremefarbenen Halskragen auf, an dem sie stickte. Dann legte sie die Stickerei vor sich auf den Tisch, strich mit ihrer schmalen Hand glättend darüber hin und machte Miene, sich zu erheben. »Ich will mich gern oben zu ihr setzen,« sagte sie »wenn es dich beruhigt.« »Liebste – nein!« Der Amtsvorsteher, der jetzt im Begriff war, seinen Paletot anzuziehen, machte eine abwehrende Bewegung. »Du hast dir's dort gerade so bequem gemacht; und sie soll ja am liebsten schlafen.« In diesem Augenblick kam Fräulein Sindal vom Garten herein, die Arme voll von frischgepflückten Syringen. Sie ging geradeswegs auf ihn zu und reichte ihm ein Paar Handschuhe, indem sie lächelnd ihren Kopf schüttelte, so daß