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Dietwalds Niederschrift

An einem Maienabend um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts saß in der Schreibstube eines hochgegiebelten Hauses der Dankwardsstraße der reichmächtigen Hansestadt Wismar, den blondhaarigen Kopf in die Hand stützend, ein junger Mann im Beginne der zwanziger Jahre und las. Es war still um ihn in dem ganzen großen Kaufmannshause, denn die Arbeit drin hatte Feierabend gemacht, und den vormaligen Besitzer des Handelsgeschäftes hatte die Stadt vor kurzem mit vielen Ehren zu Grabe geleitet. Er war Ratsherr gewesen und sein Name Detmar Werneking, obwohl seine Altersgenossen ihn zumeist Wernerking benannt, doch seit Jahrzehnten stand seine Unterschrift ohne das mittlere r im städtischen Urkundenbuch. Nicht hoch an Jahren noch war er verstorben und nicht ohne letzte Sorge auf dem Totenbett, da er als Erben seines Hauses nur einen einzigen Sohn hinterließ, den er zwar als Knaben schon in seine Schreibstube zugezogen, um ihn frühzeitig in allen Wissenslehren des kaufmännischen Betriebes zu unterweisen. Aber Osmund Werneking hatte für diese zu vielfältiger Bekümmernis seines Vaters nicht die Beflissenheit eines lerneifrigen Gehilfen und dereinstigen Weiterführers des Geschäftes an den Tag gelegt, sondern stets mehr ein Gelüst zu nutzlosem Umherschweifen in Wald und Feld und ungebundenem Lebensgenuß kundgegeben. Die Naturen des Vaters und des Sohnes erwiesen sich bei dem heranwachsen des

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