Vorwort
An meine Mutter Dresden, im Junius 1844 Meine liebe Herzensmutter, da sind nun meine sämtlichen Briefe beieinander, und ich bringe sie Dir jetzt alle, weil sie Dir das größte Vergnügen machen werden. Ferner bist Du so daran gewohnt, Nachsicht mit mir haben zu müssen, daß Dir die mannigfachen Unvollkommenheiten, Widersprüche und Inkonsequenzen, die untrennbar von einer solchen Briefsammlung sind, nicht störend auffallen werden, und dieser Gedanke ist mir sehr angenehm. Denn wenn ich auch bereit bin meinen Briefen tausend Unvollkommenheiten anzuerkennen, so muß ich doch die scheinbaren Widersprüche und Inkonsequenzen ein wenig in Schutz nehmen, weil sie wirklich nur scheinbar sind. Am Montag sah ich ein Ding von der Seite an, und schrieb es Dir; am Mittwoch betrachtete ich es von der anderen, und schrieb es Dir auch. Erklärungen, Ergänzungen, die Du auf der Stelle haben möchtest, findest Du vielleicht erst zehn Briefe weiter, – vielleicht gar nicht, wenn ich nicht wieder an den Gegenstand gedacht habe, was auf einer an fremden und neuen Eindrücken reichen Reise ziemlich natürlich ist. Wiederholungen kommen denn auch vor, z. B. spreche ich ein bißchen oft von den Sternen und von der Luft; aber die sind nun einmal meine Liebe und machen mich glücklich – Gnade für Sie! – Dafür, daß ich meinen Glauben, meine Ansicht, meine Meinung mit der vollkommensten Unbefangenheit, ohne Hehl und