Onkel und Neffe
Onkel und Neffe. Novelle von A. S. „Joseph, hast Du den Brief zur Post besorgen lassen, den ich gestern Abend geschrieben habe?“ „Ja, Herr Consul; er ist diesen Morgen neun Uhr abgegangen.“ „Um neun Uhr – wie spät ist es jetzt?“ „Elf Uhr, Herr Consul. Wann wollen Sie frühstücken?“ „Glücklicher Mensch, der Du an Essen und Trinken denken kannst! Ach, ich fühle mich heute wieder so krank, daß ich an andere Dinge denken muß. Wenn mir morgen nicht besser ist, werde ich mein Testament machen.“ „O, Herr Consul!“ „Da hilft kein Ach und O, mein lieber Joseph; wenn die Natur ihre Rechte fordert, kann sich Niemand weigern, zu zahlen. Geh, und hole mir eine Tasse heißen Kaffee.“ „Sehr wohl, Herr Consul!“ Joseph, ein langer hagerer Mensch mit einer großen Glatze und in dunkelblauer Livree, verließ das Zimmer wie ein Automat, der einem Mechanismus gehorcht. Der Consul. der noch im Bette lag, richtete sich empor, schob das Kopfkissen hinter den Rücken, um bequem sitzen zu können, und wartete. Trotzdem er, wie er so eben gesagt, sich krank fühlte, so schien er sich doch der besten Gesundheit zu erfreuen; er hatte ein volles, rothes Gesicht, das Joseph Abends zuvor glatt rasirt hatte, und ein starkes, schwarzes Haar, das unter der weißseidenen Nachtmütze wie ein Kranz hervorsah. Seine breite Brust und die starken Arme bekleidete eine Jacke von fleischfarbener Seide. Das Schlafzimmer des Consuls