Nachwort von Renate Karst-Matausch
Jules Verne, dessen Romane gleich nach der Bibel – noch vor Shakespeare und Karl Marx – zu den meistübersetzten Werken der Welt zählen, ist gleichwohl ein unbekannter Autor. Kein Mythos, keine Legende heftet sich an den Namen dieses Schriftstellers, dessen Romanhelden, ob Kapitän Nemo oder Phileas Fogg, viel berühmter sind als ihr Erfinder. Der Mensch und Schöpfer Verne, so scheint es, ist hinter der Popularität seiner Schöpfungen verschwunden ... Allerdings hat es Verne seinen Biographen auch nicht leicht gemacht. Streng wachte er darüber, daß nichts von seinem Privat- und Innenleben an die Öffentlichkeit gelangte. Persönliche Dokumente und Briefe hat der Autor am Ende seines Lebens vernichtet. Was er dennoch an Lebensspuren hinterlassen hat, fügt sich zum Bild einer unauffälligen, fast zwanghaft »normalen« Biographie. Keine Reise in arktische Gefilde, keine Abenteuer, keine Exzesse und Leidenschaft außer der einen: zu schreiben. Geschrieben hat Verne mit der Regelmäßigkeit einer Maschine. Bis ins hohe Alter stand er täglich um fünf Uhr auf, setzte sich um sechs Uhr an den Schreibtisch und arbeitete dann, mit kurzen Unterbrechungen, bis abends um acht. Schreiben war für ihn eine Lebensdroge: »Wenn ich nicht arbeite, fühle ich kein Leben in mir.« Zu seinem Tagwerk gehörte auch ein gewaltiges Lesepensum. Die systematische Auswertung der neuesten Wissenschaftsliteratur lieferte