Erstes Kapitel
Ein englisches Sprichwort sagt: In jedem Hause ist ein Skelett! Es ist eine schreckliche Wahrheit, die von der täglichen Erfahrung nur zu sehr bestätigt wird. Auch in unserer Familie war ein Skelett, und sein Name war Onkel Georg. Nur allmählich erlangte ich Kenntnis von der Existenz dieses Skeletts; denn ich war noch ein Kind, als schon der Verdacht seines Vorhandenseins in mir aufstieg, und hatte beinahe die männlichen Jahre erreicht, als ich erst die Entdeckung machte, daß ich mich nicht getäuscht hatte. Mein Vater war ein Arzt mit einer ausgebreiteten Praxis, und wohnte in einer Landstadt. Er hatte, wie man mir sagte, nicht nach dem Wunsch seiner Familie geheiratet. Gegen die Geburt, Erziehung und den Charakter meiner Mutter war gewiß nichts einzuwenden; dennoch wurde sie von Allen gehaßt. Der Großvater, die Großmutter, die Oheime und Tanten, Alle erklärten sie für ein falsches, herzloses Weib; Allen war sogar der Ausdruck ihres Gesichtes zuwider, — mit alleiniger Ausnahme des jüngsten Bruders meines Vaters, Namens Georg. Onkel Georg war das unglückliche Mitglied unserer Familie. Die Anderen waren geschickt und körperlich wohlgebildet, er besaß nur mittelmäßige Fähigkeiten und war so häßlich, daß kein Frauenzimmer ihn gern anblickte. Den Andern glückte es im Leben; ihm schlug Alles fehl. Er hatte denselben Beruf gewählt wie mein Vater, brachte es aber nie zu einer eigenen