Chapter

Onkel Franz

Motto: Schreibe, o Welt, Was dir gefällt! Rief ich mit feurigem Beben. Schlecht oder gut! Schwer oder leicht! Groß oder klein! Was es mag sein! Sturm oder Wetter! Nur nicht die leeren Weißen Blätter! Es war an einem Abend vor dem Konzertsaal in Klampenborg – an einem ganz windstillen Juniabend. Die Boote glitten auf dem Sund vorüber, und weiter draußen konnte man den Rauch eines Dampfschiffs wahrnehmen. Ich saß allein auf dem Altan über der Restauration – oder besser gesagt, ich glaubte mich allein – als ich plötzlich eine dunkle weibliche Gestalt an einem der Fenster zum Konzertsaal entdeckte. Sie saß vorgebeugt, die Hände im Schoß und wendete ihr bleiches Gesicht dem erleuchteten Saal zu. Sie kehrte der lärmenden Menge den Rücken und hörte offenbar den summenden Laut der Stimmen der Leute, die drunten kamen und gingen, gar nicht. Vielleicht hörte sie auch nicht einmal die Musik, die eine Chopinsche Phantasie spielte. Von Zeit zu Zeit zog sie ihren Spitzenshawl über der Brust zusammen, als ob sie friere, aber sie wendete dabei nicht ein einzigesmal den Kopf. Es lag etwas so unaussprechlich Einsames über dieser Gestalt, daß ich mich unwillkürlich vorbeugte, um ihr Gesicht zu sehen. Aber es gelang mir nur halb; sie hielt die Augen fortgesetzt auf einen Punkt gerichtet, den sie aber trotzdem nicht betrachtete – es war, wie wenn ihr Blick von etwas weit, weit Entferntem geblendet

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