Chapter

Ohne Bewilligung

Einen schönern Anblick als heute hat die Gasse schon lange nicht gehabt. Es ist Cholemoed, und wie ein lustigtoller Junge, der in seiner Seeligkeit nicht weiß, was er früher anfangen soll, geht er im Ghetto auf und nieder und lacht und scherzt und treibt ausgelassene Possen. Wir bemerken für Diejenigen, denen die Sprache der Offenbarung – wie hottentotisch klingt, daß der Cholemoed jene schöne Zeit der Halbfeiertage ist, die jährlich zweimal, am Ostern- und am Laubhüttenfest einfällt. Denn wie man weiß, sind diese beiden Feste sehr langathmiger Natur; sie dauern durch volle acht Tage. Da hat aber der kluge Gesetzgeber, der sehr wohl wußte, daß es der Mensch in Leid und Freud nie lange aushält, den Cholemoed hineingeschoben. Das ist ein Tag wie jeder andere; man kann seinen Geschäften nachgehen wie sonst, auch nimmt die Synagoge nicht den größten Theil des Vormittags weg; wie überhaupt tausend Zeichen, die man aber mehr empfinden als sehen muß, es beweisen, daß heute nicht ›Jontef‹ (Feiertag) ist. Dennoch blickt eben derselbe ›Jontef‹ überall hindurch; es ist, als ob man den Leuten verboten hätte, davon zu sprechen, und sie ließen nun in Ermanglung dessen, ihre Kleider, Gesichter und Geberden es einander zurufen. Über allem Thun und Treiben liegt ein eigenthümlich festlicher Duft, nirgends tönt der grelle Schrei des ›Geschäftes‹, und nur, um gleichsam nicht aus der Übung zu

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