Erstes Kapitel
Die Hauptstadt des persischen Gouvernements, das im Norden nur durch den Araxes daran gehindert wird, mit russisch Transkaukasien zusammenzufließen wie Milch und Sahne, zählte etwa zehntausend Einwohner. Sie beanspruchten aber einen Raum, der in Europa für Zweihunderttausend hätte ausreichen müssen. Fast jedes Haus war von den ihm zugehörigen Blumen-, Gemüseund Weingärten umgeben, die eine gemeinsame Mauer umfriedete. So konnte man auf einem guten Pferd zwei volle Stunden reiten, um die Stadt zu durchqueren, und sah dabei fast nur Mauern, hinter denen kleinere oder größere Baumgruppen neugierig zu dem Reiter hinüberblickten. Im Sommer versanken die Pferdehufe in feinem Staub, der unter ihnen in dicken gelben Wolken aufwirbelte, den Pferde-, Eselund Kamelmist beizte. Im Winter zogen die Hufe Roß und Reiter nur mühsam durch den zähen Schlamm, der sie durchaus festhalten wollte, um nicht ganz auf jede Gemeinschaft mit dem Leben verzichten zu müssen. Den eigenen Füßen vertraute sich außerhalb der Mauern nur selten jemand an. Auch die Ärmsten besaßen einen Esel, der für sie die Beine rühren mußte, wenn sie draußen zu tun hatten. Im Westen grenzte das Gouvernement an die Türkei. Aber Mutter Natur hatte vorsorglich einen hohen und wilden Gebirgszug zwischen die beiden Länder gelegt, ohne welchen sich Perser und Türken längst ausgerottet hätten. So sehr liebten sie sich. Auch