Odhins Rache
Still, wie träumend in trauerschwerem Schweigen, lag Gladhsheim, Odhins Haus, das doch von der Freude den Namen führt, in Asgardh. Kein Laut drang hierher von dem ehernen Schall der Waffenspiele der Einheriar, von dem fröhlichen Lärm ihres Gelages in Walhall: denn ein Wald von hochwipfeligen, dunkelblättrigen Eschen trennte von jenen weiten Räumen der Kampfübung und der Feste des Gottes einsame Heimstätte. Auf dem dreieckigen Giebel oberhalb der hohen Eingangsthüre saß, in wacher Spähe, sein Adler. Auf der obersten der zwölf Stufen von schwarzem Gestein, die zu dem Eingang emporführten, lagen, lang ausgestreckt, die spitzen, klugen Köpfe auf die Vorderpfoten gedrückt, im Halbschlaf, seine beiden Wölfe; nur manchmal schlugen sie blinzelnd ein Auge auf, scholl aus dem Eschicht der Ruf eines Vogels an ihr Ohr. Aber das war selten. Alles still: wie in Träumen, in Harren, in Sehnen versunken. – In der Ferne, tief unten auf der Erde, neigte nach dem langen Sommertag die Sonne allmählich dem Versinken zu. In der Halle, deren eichengetäfelte Wände als einziger Schmuck mannigfaltige Waffen bedeckten, war das Feuer auf dem breiten Steinherd in der Mitte des Hintergrundes, stark herabgebrannt, dem Erlöschen nah: nur zwei dicke Ulmen-Wurzelknorren glimmten noch fort: ein schmaler Streifen weißgelben Rauches zog daraus kreiselnd nach oben und suchte in den Luken des Dachgebälkes zögernd den