Oberst Chabert
»Seht nur! Da kommt wieder einmal unser alter Militärfilz!« Dieser Ruf entschlüpft dem Munde eines Schreibers, der zur Art derer gehörte, die man in den Anwaltsstuben Hans Dampf in allen Gassen nennt, und der im Augenblick damit beschäftigt war, mit mächtigem Appetit in ein Stück Brot hineinzubeißen. Nun brach er ein Stückchen Krume ab, rollte es zu einem Kügelchen, das er in heiterster Laune durch das Fenster schleuderte, auf dessen Rahmen er sich stützte. Wohl gezielt, schnellte das Kügelchen wieder zur Höhe des Fensters empor, nicht ohne den Hut eines Unbekannten getroffen zu haben, der gerade über den Hof des Hauses schritt. Es war ein Gebäude in der Rue Vivienne, hier wohnte Derville, der Rechtsanwalt. »Halt! Simonnin,« sagte der Bureauvorstand und unterbrach die Addition einer Spesenrechnung, »lassen Sie Ihre Albernheiten, oder ich setze Sie vor die Tür. Ein Klient mag arm sein wie eine Kirchenmaus, ein Mensch bleibt er doch, Teufel noch mal!« Der Hans Dampf in allen Gassen ist im allgemeinen, wie Simonnin im besonderen, ein Junge von dreizehn oder vierzehn Jahren, der in allen Anwaltsstuben dem Bureauvorstand unterstellt ist. Er hat sich um dessen Besorgungen und Liebesbriefe zu kümmern, die er auf seinen Gängen zu den Gerichtsvollziehern und zum obersten Gerichtshof mit zu erledigen hat. Solch ein Kind weiß fast nie etwas von Mitleid, es ist ungezogen und unerziehbar,