Ob er wohl Fiekchen heirathen kann?
Es war einmal ein reizendes Kind, das heißt, ein Mädchen, dunkle Gazellenaugen, silberblondes Haar, das ihm, weil sich's halbkraus aus allen Banden befreite, verführerisch verwirrt in die Stirn hing, Oval und Mund lieblich streng und doch der Schalk im Grübchen – Anmuth ihr Besitz, Frische ihr Reichthum – Aber dies Mädchen, dieser Inbegriff alles Reizenden, hieß Fiekchen Fips und war die Tochter des verstorbenen Kleinkrämers Leonor Fips im Städtchen Krähhubel. An und für sich ist das nun kein Unglück, aber unter Umständen kann es doch unbequem sein, daß man wie eine Prinzeß aussieht und doch nicht dafür kann gerechnet werden, nicht einmal wenn man sogar zur Hälfte blaues Blut in den Adern hat. Fiekchens Mutter, Seraphine von Lilienstern, aus dem Hause Lilienstern von Lilienstern hatte, zum Entsetzen der ganzen Familie, als alterndes Fräulein dem hübschen Kaufmannssohn im Nachbarstädtchen, Leonor Fips, ihre hochadelige Hand gegeben. Sogar ganz Krähhubel war erstarrt über dies Ereigniß – Einige vor Wunder, daß sie ihn – Andere vor Wunder, daß er sie nahm. Da es aber auf der Welt wirklich nur die Beiden anging, so gab es viel Geschrei und weiter nichts. Seraphine stieg von ihrer Höh' herunter und wurde mit allen Zeichen des Abscheus in den Bann gethan. Keiner der Verwandten sah sich je wieder nach ihr um und schnell schloß sich die Lücke, wo die sanfte bleiche Gestalt gestanden,