Erstes Kapitel
Wie schön ist die Erde! Alles grünt und blüht um mich, und drüben im Vorgehölz hinter der großen Weidenkoppel läßt der Vogel Bülow seine Wunderstimme vernehmen. Ich bin schon längst in das ›biblische Alter‹ getreten. Das sechsundsiebenzigste Jahr winkt mir aus nicht allzu großer Ferne herüber, und ich freue mich, just um diese Zeit im Land, wo ich meine Jugend durchlebte, weilen zu können. O du mein Niederrhein! Ich stehe auf dem Leedeich, der sich von Kalkar über Till und Huisberden bis zum Emmericher Eiland hinzieht. Rings um mich her, in dem unermeßlichen Grasland, bestickte der Herr die Weiten mit Salbei, Vergißmeinnicht, Wiesenschaumkraut und Kuckucksblumen. Es ist wie ein Zauber, diesen bunten Teppich aus den tausend Nächten und der einen Nacht vor sich ausgespreitet zu sehen. Just auf der nämlichen Stelle habe ich oft als kleiner Junge mit meinen Kameraden gestanden, und wenn hoch über uns ein Storch langsamen Fluges vorübersegelte, riefen wir sehnsüchtig in den blauen Himmel hinein: »Euwer, Euwer, pillepoot, breng ons Moeder en Kindje!« Alle Ortschaften, die um mich liegen, weiß ich mit Namen zu nennen. Ich kenne ihre Kirchtürme, ihre Garten und verträumten Katstellen, ihre stolzen Gehöfte und alle die Menschen, die diese stolzen Gehöfte und verträumten Katstellen bewohnen. Hier weint es, dort lacht es, hier wird eine sanfte Geige angestrichen, die anmutet, als zöge