Nutzlose Schönheit
I Vor dem Palais wartete die mit zwei wundervollen Rappen bespannte Viktoria. Es war Ende Juni, gegen ein halb sechs Uhr, und zwischen den Dächern der Seitenflügel, die den Ehrenhof umschlossen, strahlte der Himmel klar, warm und heiter herab. Gräfin Mascaret erschien auf der Treppe gerade in dem Augenblick, als ihr Mann, der heimkehrte, in die Thür trat. Er blieb ein paar Sekunden stehen, um seine Frau zu betrachten, und ward ein wenig bleich. Sie war sehr schön, schlank, und sah vornehm aus mit ihrem länglichen, feinen Gesicht, ihrem goldigen Elfenbeinteint, den großen grauen Augen und dem schwarzen Haar. Ohne ihn anzublicken, stieg sie ein. Sie schien ihn nicht einmal bemerkt zu haben bei ihrem so ausgesprochen hochmütigen Wesen, daß ihm die fürchterliche Eifersucht, die ihn so lange schon quälte, von neuem das Herz zerriß. Er trat heran, grüßte und fragte: Über ihre verächtlich zuckenden Lippen drangen nur die drei Worte: – Wie Du siehst. – In das Bois? – Wahrscheinlich. – Dürfte ich Dich begleiten? – Es ist Dein Wagen. Ohne sich über den Ton zu wundern, in dem sie antwortete, stieg er ein, setzte sich neben seine Frau und befahl: – Ins Bois. Der Diener schwang sich auf den Sitz neben den Kutscher, und die Pferde schnickten, wie sie es immer machten, grüßend mit den Köpfen, bis sie zur Straße hinaus waren. Die beiden Gatten saßen Seite an Seite, ohne mit einander zu