Erstes Kapitel
Auf dem Jachtklubball in der Marineakademie, der wie immer die Kieler Woche abschloß, gewährte die herkömmliche Überzahl von Herren jeder Dame das Vergnügen, sehr gesucht und umschwärmt zu sein. Aber die Dringlichkeit, mit der in den Tanzpausen die schöne Frau Jutta von Verehrern umworben wurde, wirkte selbst hier so auffallend, daß sie sich als Königin des Festes hätte fühlen dürfen. Es schien jedoch, als nähme sie alles mit einem erzwungenen oder zerstreuten Lächeln hin: die brüderliche Fürsorge der Crewkameraden ihres fernen Gatten und die feurige Verehrung der jüngeren Seeoffiziere. Sie stand eben im Vorsaal des ersten Stockwerks, vor einer der Säulen, die den hohen Plafond trugen. Die etwas grelle Helligkeit, die von überall her das aufstrebende Rund des grauen Marmors traf, überstreute ihn mit gleißenden und unruhigen Reflexen, so daß ihm die gerade Linie eines Glanzlichtes fehlte. Das gab einen zu flimmernden Hintergrund für den dunkelhaarigen Frauenkopf, dessen Umriß dadurch etwas Verwischtes bekam. Frau Jutta war ein wenig bleich, wie es manche Frauen vom Tanzen werden. Ihre Gestalt, trotzdem sie über Mittelgröße war, wirkte zart. Aus dem blassen Goldgelb ihres Chiffonkleides hoben sich in feinen Linien die Schultern hervor. Das Bestimmende an ihrer Erscheinung war vielleicht die Art, wie der schlanke Hals den Kopf trug: erhoben, in unbewußt herrischer Haltung. Von den