Nur ein Tintenfleck - 1. Kapitel. Der lila Tintenfleck.
Harald Harsts Entschluß, vor unserer Heimkehr nach Deutschland noch einen Monat das hinterindische Königreich Siam zu bereisen, hatte meinen vollen Beifall gefunden. Siam ist ja sozusagen das östliche Vorland des großen indischen Kolonialreichs und sollte, wie mir in der Erinnerung noch unklar vorschwebte, mindestens ebenso viele Merk- und Sehenswürdigkeiten besitzen, wie Indien selbst. — An einem glutheißen Vormittag brachten zwei elegante Rikschas (Rikscha, zweiräderiges Bambuswägelchen) Harst und mich von unserem Fremdenheim in Bangkok, der Hauptstadt Siams, aus in gleichmäßig schneller Fahrt nach P’hrabat, dem heiligen Berge nördlich von Bangkok, wo sich das gleichnamige Kloster, einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der Buddhisten, befindet. Die Hauptreligion in Siam ist der Buddhismus, was man schon an der Unmenge buddhistischer Mönche merkt, die in den Straßen Bangkoks zu sehen sind. Diese frommen Nichtstuer kosten dem Staate jährlich Unsummen. Trotzdem dürfte es niemand wagen, an dieser Einrichtung zu rütteln. Die Siamesen sind, was ihre religiösen Gebräuche angeht, genau so halsstarrig wie die Inder in Bezug auf das Kastenunwesen. Unsere beiden Rikschakulis, die nur das Hüfttuch und den großen Hut aus Palmenblättern trugen, mußten offenbar Patentlungen besitzen, denn 16 Kilometer in flottem Trab ein belastetes Wägelchen zu ziehen, dazu gehört mehr als ein europäischer