Erster Band
Es war an einem Sonntag, einem glühend heißen Julitage, als im Amphitheater zu Aps in der Provence aus Anlaß der landwirtschaftlichen Ausstellung ein großes Tagesfest gefeiert wurde. Die ganze Stadt war auf den Beinen: Die Weber vom Chemin-Neuf, die vornehme Welt vom Quartier de la Calade, ja sogar Leute von Beaucaire – »fünfzigtausend Personen zum mindesten« –, so berichtete das »Forum« in seiner Chronik vom folgenden Tage, wobei allerdings die Uebertreibungssucht der Südländer in Betracht zu ziehen ist. In der That drängte sich eine ungeheure Menschenmenge die brennendheißen Stufen des alten Amphitheaters hinauf, wie in den schönen Tagen der Antonine, und offenbar handelte es sich bei diesem Volksandrang keineswegs bloß um das Bezirksfest. Es war etwas andres nötig, als der Wettstreit der Tambourins und Flöten, als die Courses landaises»Courses landaises«: Die im Departement der »Landes« üblichen und von dort nach der Provence verpflanzten unblutigen Stiergefechte. Anmerkung d. Uebers.«, die Ringkämpfe für Männer und Knaben, das Katzenwürgen, der Schlauchsprung und wie die ortsüblichen Spiele alle heißen, die abgenützter waren, als der morsche Sandstein des Amphitheaters, – es war etwas andres als all dies nötig, um zwei Stunden lang auf diesen glühend heißen Steinplatten stehen zu bleiben, zwei Stunden in dieser mörderischen, augenversengenden Sonnenhitze auszuhalten, die