Die Anomalie
Die Daten ergaben keinen Sinn, und genau das machte sie so aufregend. Dr. Lena Vogt starrte auf die Hologramme, die in der Luft über ihrem Schreibtisch schwebten — dreidimensionale Darstellungen der Raumzeitkrümmung im Sektor 7G, jenem unscheinbaren Abschnitt des Alls zwischen der Mars-Kolonie und dem Asteroidengürtel, den niemand beachtete, weil dort nichts war. Und das war das Problem: Dort war tatsächlich nichts. Kein Raum, keine Zeit, keine Materie, keine Energie. Ein Punkt perfekter Abwesenheit inmitten eines Universums, das Leere nicht duldet.
Die Station Prometheus, auf der Lena arbeitete, war ein Relikt aus optimistischeren Zeiten — ein Forschungsaußenposten mit einer Besatzung von zweiunddreißig, der ursprünglich für die Kartierung von Asteroidenressourcen gebaut worden war und nun, nach dem Zusammenbruch der Bergbauindustrie, als schwimmende Universität für Wissenschaftler diente, die niemand anderswo haben wollte. Lena passte gut hierher. Ihre Theorien über die Nichtlinearität der Raumzeit hatten ihr den Ruf einer Exzentrikerin eingebracht und die Förderung gekostet.
Sie richtete die Sensoren der Station auf den Nullpunkt, wie sie ihn nannte, und die Daten, die zurückkamen, waren unmöglich. Der Punkt absorbierte kein Licht — er reflektierte es auch nicht. Er existierte einfach nicht, und doch war er da, eine Lücke im Gewebe der Realität, so präzise wie ein