Erster Teil
Man muß feststellen, daß die Ulmen am Wasser auch keine Blätter mehr hatten. Das heißt, das stimmt nicht ganz. Sie hatten schon noch Blätter. Jeder Ast sogar drei bis fünf. Jeder hohe Baum mindestens vierzig bis sechzig. Aber sie waren eben von einem toten Grün und verschrumpelt schon. Oder sie waren braun und zitterten da hoch oben an den dünnen Zweigspitzen über dem Wasser, wie Kinder auf dem Turmbrett in der Badeanstalt, die sich fürchten, ins Nasse, Kalte hinunterzuspringen. An den Kastanien jedoch waren die letzten Blätter ... und von den grünen, breiten Blatthänden von einst waren höchstens zwei oder drei Finger noch stehengeblieben (meist sogar nur noch einer!), so, als ob die anderen draußen abgeschossen worden wären, oder als ob beim Granatdrehen sie daheim in einen Treibriemen gekommen wären, oder in eine Welle ... an den Kastanienblättern waren auch nur noch einzelne Finger stehengeblieben: flach, groß und dunkelgolden. Nein, eigentlich nicht mehr ganz dunkelgolden. Das war vorbei schon. Jetzt begannen sie gerade trüb, matt und bronzefarben zu werden und standen ganz still und – den Zeitläuften entsprechend – nachdenklich und sehr traurig in der graublauen, etwas dunstigen Mittagsluft, die noch milder war, als sie gerade der Jahreszeit nach an dieser allzu nördlichen Stelle der Erdkugel sein durfte, an der sich aus unerklärlichen Gründen der Riesenkörper Berlins