Der Staatsdienstaspirant.
Aus dem deutschen Leben. Wir haben einmal in den Werken eines englischen Weltweisen die Behauptung gelesen, die Hälfte der Menschen wisse nicht, wie die andere Hälfte lebe. Bei näherer Betrachtung dieses Satzes glaubten wir zu finden, daß dieses Urtheil noch viel zu günstig laute. Es wollte uns bedünken, als ob zwar immerhin das Leben der Familie sowohl als das der Einzelnen eine Anzahl heiterer oder trüber Eindrücke mit sich führe und veranlasse, die allen Menschen aller Zeiten und Zonen gemeinsam sind, daß dagegen auch mit dem irdischen Fortkommen, wie es die Verhältnisse eines jeden Individuums bedingen, eine Summe von Freuden und Schmerzen, von Hoffnungen und Befürchtungen verknüpft sey, von denen der außerhalb des bestimmten Kreises Stehende nur zerstreute Anschauungen, ohne eigens darauf gerichtete Beobachtungen und Studien aber nie eine ausgiebige Kenntniß besitzen könne. Da nun aber gerade diese letztern Empfindungen dem menschlichen Leben die überwiegende Farbe geben, dieselben jedoch den Unbeteiligten nur zufällig und vereinzelt ersichtlich werden, so möchten wir eher sagen, der Mensch, wenigstens einer, der nie aus seinem Kreise getreten ist, kenne nur diesen, vielleicht noch etwas Weniges von dem nächst verwandten, sonst aber keinen. Der Gelehrte zum Beispiel, der seinen Rock anthut, er sey ausgebürstet oder nicht, hat keine Ahnung von der Freude, die ein junges