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Die Braut von Cypern

(1856) Eduard Mörike zugeeignet. Erster Gesang. Es giebt ein Buch, vor Zeiten vielbewundert, Bei Niedrigen und Hohen wohlgelitten, Ein welterfahrner Tröster, dessen hundert Geschichtlein sanft in Ohr und Herzen glitten, In unserm höchst anständigen Jahrhundert Verpönt indeß ob allzufreier Sitten, Ein Lustwald voll der schönsten Abenteuer, Nur, wie die Sage geht, nicht ganz geheuer. Doch Stellen giebt's in dem verrufnen Hain, Die selbst der lieben Jugend ungefährlich. Von Belladonnen sind die Wiesen rein, Der Weg für guten Wandel unbeschwerlich; Kein schnöder Faun grins't unverschämt darein, Der strengen Mütter Aufsicht wird entbehrlich, Und lose Vögel plaudern von Geschichten, Zwar auch verliebt, doch zügellos mit nichten. 2 Solch ein Geschichtlein – wenn ihr lauschen wollt – Gelüstet mich, daß ich im Reim erzähle. O wären meine Verse helles Gold Zu würd'ger Fassung diesem Lichtjuwele! Nie ward der Schönheit Huldigung gezollt Andächtiger von einer Dichterseele, Nie hat Boccaz sich höhern Flugs erhoben – Doch still! Ich will erzählen – ihr mögt loben! Der Ort ist Cypern, jenes Sonnen-Eiland, Um das ein Sagenmeer melodisch brandet; Die Heimath Fortunats, wo kläglich weiland Der beiden Söhne Lebensschiff gestrandet; Auch edle Ritter, glühend für den Heiland, Sind öfter hier, als nöthig war, gelandet. Wer kennt nicht Cyperkatzen, Cyperweine Und Venus Cypria mit ihrem Haine! »Zeit:

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