Der Stubenbursche zu Bologna
Es war im Jahre der gnadenreichen Geburt unsres Herrn und Heilandes 1460, als ich in Bologna studirte – ich weiß nicht recht mehr was – doch entsinn' ich mich noch recht gut der Wohnung in der Nähe der »Institutionen«, wie wir eine Reihe kleiner Häuser nannten, die hinten an die Kapellen der Ostseite des Domes stieß. Es war ein düstres altes Gebäude, in dem ich zusammen mit einem deutschen Landsmann wohnte; früher war es ein Kloster der Hieronymitenmönche gewesen, die es verlassen hatten, um ein neues Geräumigeres zu beziehen. Jetzt hatte ich meine Wohnung in dem Refektorium aufgeschlagen, dessen Fenster auf einen schönen großen Garten gingen und eine sehr angenehme Aussicht gewährt haben würden, hätte man nur durch die hölzernen Klappen schauen können, womit der untere Theil geschlossen wurde, denn damals war das Glas noch zu theuer, als daß das Zimmer eines Studenten auf diesen Luxus hätte Anspruch machen dürfen; – auch würde man sich darin sehr an dem südlichen Klima Italiens und aller Romantik seiner vielen Düfte haben ergötzen können, wär' es nur auf den mit Steinplatten belegten Fußboden, bei einem dürftigen Kohlenfeuer nicht so kalt gewesen, und hätten die Mönche nur nicht in ihrem alten Refektorium einen Geruch von Heiligkeit zurückgelassen, der uns keineswegs behagte. Ich muß noch lachen, wenn ich daran denke, wie meinem Stubenburschen die weißen Zähne früh Morgens oft