Erstes Kapitel
In den sommergrünen Bergwald hinein ragt ein kleines Stücklein Feld, und daran schließt sich ein nicht viel größeres Fleckchen Weidegrund. Wird beides keinem Großbauern gehören, wie es den Anschein hat, aber goldiger Sonnenschein umflutet es ebenso wie die breitflächigen »Gewende« der Bauernfelder, der Himmel darüber ist von derselben Bläue wie allerorten ringsumher, und dasselbe Gekraut und Geblume wächst und wuchert wirr und bunt durcheinander, wie auf all den andern Feldern und Weiden der ganzen Gegend. Eine einschichtige Kuh grast auf dem Weidegrunde, und einige Schritte davon liegt ein Bub bäuchlings im kurzen Grase, hat den Strick, an den die Kuh gehängt, lässig in der Hand und schaut und wundert an dem, was die Weide an kleinen Wundern zu weisen hat. Und das langt für manch andern, denn für den kleinen Buben, der so seine zwölf, dreizehn Jahre haben kann. Wie schön gleichmäßig und zart die Stängel der Glockenblümchen sind, und wie seltsam blau die zierlichen Glöckchen mit den schlanken Schlägelchen in der Mitten! Daneben steht ein Strauß Zittergras, das die Kinder Schepperlein heißen, und das trägt geradezu kleine, schuppige Herzchen an den fadendünnen Ästlein. Wie das Zeug nur so wachsen kann? Wozu es sein mag? Der Kuh halber wird es kaum erschaffen worden sein, denn die frisst nur Gras und fragt nicht lange, ob es Blumen trägt oder nicht. Für wen sonst? Für ihn und für