Chapter

Siebentes Buch.

Mehrere Wochen waren verflossen. Es war in den ersten Tagen des März. Die Sonne, welche Dubartas, dieser klassische Vorfahr der Umschreibung, noch nicht »den Großherzog unter den Lichtern« genannt hatte, war deswegen nicht weniger freudig und strahlend. Es war einer von den Frühlingstagen, die so mild und schön sind, daß ganz Paris sie auf Plätzen und Spaziergängen wie Sonntage feiert. An solchen hellen, warmen und heitern Tagen ist es vorzüglich eine bestimmte Stunde, wo man das Portal von Notre-Dame bewundern muß. Es ist der Augenblick, wo die schon zum Untergange sich neigende Sonne der Kathedrale gerade gegenüber steht. Ihre immer wagrechter fallenden Strahlen entfernen sich allmählich vom Pflaster des Platzes und steigen senkrecht längs der Façade in die Höhe, wo sie die unzähligen runden Erhöhungen aus ihrem Schatten hervortreten lassen, während die große Mittelrosette wie ein im Wiederscheine der Schmiedeesse glühendes Cyklopenauge flammt. Es war um jene Stunde. Gegenüber der hohen, vom Abendstrahle gerötheten Kathedrale, auf dem steinernen Balkone, der über der Thürhalle eines reichen gothischen Hauses, das die Ecke des Platzes und der Domhofstraße bildete, angebracht war, saßen lachend und allerlei Scherz treibend mehrere hübsche, junge Mädchen. An der Länge des Schleiers, welcher von der Spitze der perlenumwundenen Haube bis auf die Hacken fiel, an der Feinheit des

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